Bloggen macht ja eigentlich Spaß, Blogs lesen natürlich auch. Gibt ja soviele davon, dass man manchmal gar nicht hinterher kommt mit dem Lesen. Und dem Schreiben eben. Ich sitz dann immer da und denke "Wat schreibste denn bloß?". Soll ja nicht immer nur
profaner Alltagsmist sein, und wenn nun doch, dann muss es wenigstens geistreich ausformuliert werden. So wie in den Blogs, die man immer gerne liest, weil die Blogger eben so schick geschriebene Alltagsbetrachtungen zum Besten geben. Da möchte ich ja nicht unangenehm auffallen, also grüble ich vor einem leeren Blogeintrag, und während ich also denke "Wat schreibste da denn jetzt bloß?", lese ich zwecks Inspiration ein bischen quer. Ob die anderen Blogger wohl auch so dasitzen und sich die Frage stellen, was sie denn jetzt schreiben sollen? Beim Querlesen stolpere ich über das Wort Kaffee - ja, das ist ne Idee, erstmal Kaffee. Passt auch zum geistigen Bild, dass ich von Bloggern habe. Mit der übergroßen Kaffeetasse und ner Kippe vorm Bildschirm sitzend, und tonnenweise geistreiches Zeug rausrotzend, dass es nur so trieft.
Ich schlurfe also in die Küche, präpariere die Kaffeemaschine für ihren Auftrag und wundere mich währenddessen, wie die anderen es nur immer schaffen, in ihren Blogs halbe Romane über profanen Alltagsmist zu schreiben. Bestimmt leben die alle in intressanteren Städten, wo eben mehr
Kultur ist, wo das Leben brummt. Und/oder die haben intressantere Jobs, vielleicht sind sie auch Studenten und schreiben über ihr wildes WG-Leben. Sowas hab ich ja alles nicht. Ich hab nur
Katzen,
ne große Wohnung und miese Laune, weil das Wetter so scheiße ist. Kann man aber nicht drüber schreiben, schon gar nicht geistreich und wohlformuliert. Also, was schreib ich denn jetzt bloß?
Ich stelle meine übergroße Kaffeetasse neben die Tastatur, zünde mir eine Kippe an, und versinke in Grübelei. Lieber nochmal Querlesen, Brainstorming und so, ein paar Kommentare zu andern Blogs schreiben. Lenkt ein bischen ab von der Frage "Wat schreibste jetzt?", hilft aber letztendlich auch nicht weiter. Ich sitz ja immer noch vor dem leeren Blogeintrag und ärgere mich, dass mir nichts einfällt. Über Politik möchte ich nicht schreiben, kann ich auch nicht, weil ich bei diesem Metathema
etwas ignorant ziemlich unbelesen bin. Das machen andere besser, außerdem gibts ja schon genügend Blogpostings, bei denen es um Guantanamo, Frau Merkel oder Herrn Bush geht, um unsere Regierungskoalition, um Klimaerwärmung und sowas alles.
Ich nippe am Kaffee. Ich könnte über meine Lieblingsmusik schreiben, könnte mich als
elitärer Musikliebhaber mit Geschmack outen, könnte Plattenrezensionen verfassen. Ach nee, mach ich ja schon, allerdings nicht hier sondern
da. Das reicht auch, schließlich hat zumindest mein Tag nur 24 Stunden, und die sind mit Schlafen, Arbeit, Hausarbeit, sozialen Kontakten, am Betriebssystem frickeln und Blogs lesen schon ziemlich ausgefüllt. Und zocken, bin ja Nintendo-Fan, aber darüber will ich auch nicht schreiben, sondern lieber die Zeit, die ich mit dem darüber schreiben verbringen würde, aktiv mit Wii und DS verbringen.
Tja, also, worüber nun schreiben? Während mein Kaffee ob meiner Grübelei langsam lauwarm wird, beschließe ich, die anderen Blogger Blogger sein zu lassen, und einfach gar nix zu schreiben. Sollen sich doch die anderen das Hirn zermatern, lass sie doch denken "Wat schreibste denn nun?", lass sie Zeile um Zeile Gedanken über Spreewaldgurken, Bild-Zeitung, GEZ-Gebühren und Landschaftsbeschreibungen schreiben. Für den Moment hab ich die Schnauze voll, trinke meinen Kaffee und merke, dass mir die Zeit mal wieder davon rennt. Zur Arbeit muss ich heute schließlich auch noch, "späte Frühschicht", wie das bei uns in der Abteilung so schön heißt. Vielleicht fällt mir ja während der Arbeit ein, worüber ich schreiben könnte?!